Artilleriewerk 8

 

Das Artilleriewerk 8, auch Nipter Schleife genannt, gehört zur Werkgruppe „Yorck“ und besteht aus den Werken A8 West und A8 Ost, welche an das Hohlgangssystem angeschlossen wurden. Hierbei handelt es sich um Panzerwerke in der Ausbaustufe A. Beide Werke wurden jedoch nicht fertig gestellt und sind die am weitesten nach Osten angeordneten Kampfanlagen im gesamten Festungskampffeld. Die Aufgabe der beiden Werke war mit Sicherheit die Bekämpfung von gepanzerten Einheiten im Vorfeld. Zusätzlich zu den normalen Verteidigungsmitteln, wie in den B-Werken (Maschinengewehre, Maschinengranatwerfer, Flammenwerfer), hätte man hier Panzerabwehrkanonen eingebaut. Über die geplante Bewaffnung darf nur spekuliert werden. Stefan Doll vermutet, dass 5-cm Pak in Drehtürmen (71P09) oder als Panzerkasematten (56PP08), bzw. 10,5-cm Kanonen zum Einbau gelangen sollten. Wohingegen Robert Jurga und Anna Kedryna die Ansicht vertreten, dass an den Einbau von 4 Drehtürmen für 10,5-cm Kanonen (32P08) oder für 15-cm Haubitzen (33P08) pro Werk (!) gedacht war.

Die unterirdischen Anlagen sind zumindest im Rohbau fertig gestellt worden. Sie gliedern sich hauptsächlich in zwei Teile. Der erste Teil beginnt direkt hinter dem Abzweig zum Pz.W. 721 und 722. Er besteht aus dem Hauptgang und einem ca. 300 m langen, parallel dazu verlaufenden zweitem Gang. Von diesem gehen im Wesentlichen 9 große Magazinkammern ab. Beide Gänge sind zusätzlich durch zwei Querspangen verbunden, wodurch sich drei Teilbereiche ergeben. Dem schließt sich der eigentliche Hauptteil an, der die Werke A8 West und A8 Ost umfasst. Zuerst passiert man eine Sprengstelle, die notdürftig gesichert ist. Wahrscheinlich wurde sie von deutscher Seite gesprengt, um ein Eindringen ins Hohlgangsystem zu unterbinden. Hierbei wurde ein seitlich vorhandener Eingang zu einem Hohlraum zerstört. Dieser war mit einem Holzfußboden ausgestattet und liegt seltsamerweise eine Etage über dem Niveau des Hauptgangs. Dem schließt sich parallel ein Munitionsraum mit zwei Kammern an. Die Kammern wurden mit Panzertüren 434P01 verschlossen, wobei die hintere noch vollständig vorhanden ist. Das sich nun auftuende große Hohlgangprofil schließt sich an den Treppenschacht des A8 West an. Dieser Schacht mit an der Seite befindlicher Betontreppe führt über 20 m in die Höhe. Oben angelangt, steht man in einem Raum der im Jahr 1944 errichtet wurde und den Zugang provisorisch sicherte. Wieder unten verläuft der Hohlgangs leicht versetzt zum Treppenschacht etwa quadratisch um eine Fläche von 40x40 m. Geradeaus im Hauptgang gelangt man in zwei parallel verlaufende Kasernenblöcke, die den Hohlgang kreuzen. Hier hat man die Gasschutztüren 65P09 am Eingang als Schiebetüren ausgeführt und innerhalb ganz normal als Anschlagtüren. Die obere Etage ist durchgängig und überquert so den Hauptgang. Danach geht’s durch  eine 90 Grad Kurve zum A8 Ost, welches  diagonal zum A8 West liegt. Der Treppenschacht, auch mit seitlicher Betontreppe, ist diesmal nicht ganz so hoch, etwa um die 12-15 m. Oben ist er dagegen mit einer massiven Zwischendecke verschlossen. Oberhalb dieses Schachtes befindet sich anscheinend nichts mehr, da sich die vorhandenen Quellen darüber ausschweigen. Der Hohlgang geht noch etwa 20 m gerade aus und endet an einem senkrecht nach unten führenden Schacht mit einem Betondeckel. Ungefähr auf der Mitte dieses letzten Stücks Hohlgang befindet sich ein nicht mehr fertig gestellter Kasernenblock ohne Zwischendecke. Nur die Zwischenwände des Untergeschoss sind  errichtet wurden. Leicht versetzt zum Treppenschacht des A8 Ost führt ein großes Hohlgangprofil ca. 35 m weit nach Westen. Am Ende geht es wieder rechtsrum und noch einmal 35 m  bis zum Treppenschacht des A8 West. In diesem Bereich sollten wahrscheinlich die technischen Anlagen eingebaut werden.

Über der Erde ist vom Artilleriewerk 8 nicht viel zusehen, nur die große Baugrube des A8 West mit dem riesigen Betonfundament. In der Mitte der Anlage befindet sich der provisorisch errichtete Raum zum Schutz des Treppenschachtes. Dieser ist nicht etwa gemauert, sondern die Ziegel dienten nur als äußere Verschalung. Vom A8 Ost ist im Gelände nichts auszumachen. Wahrscheinlich sollte aus Platzgründen erst ein Werk oberirdisch fertig gestellt werden.

Dadurch, dass das Artilleriewerk weit nach Osten rausragt, befinden sich in der Nähe die Höckerlinie und der davor liegende Panzergraben. Ringstände  welche die Verteidigungslinie verstärken sollten sind auch hier vorhanden.

 

Fotos A8 Ost/West

 

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