Pz.W. 712

 

 

Baujahr:                    1938/39

Ausbaustärke:          B alt

Nutzfläche:               422,04 m²

Erhaltungszustand:  75%

 

Das Panzerwerk liegt etwa 2,25 km östlich der Ortschaft Staropole (Starpel) im Wald an der stillgelegten Bahnstrecke Staropole – Goscikowo. Die Anfahrt erfolgt am besten über die Ortschaft Staropole beginnend am Pz.W. 780. Direkt unterhalb dieses Pz.W. führt in östliche Richtung eine Straße über die Gräben 715 a und 715 b. Auf dieser Piste (ehemalige Straße Neuhöfchen – Starpel) verlässt man den Ort und folgt ihr bis zum Waldrand. Jetzt geht es kurz in nördliche Richtung bis zum Bahndamm. Hier befindet sich eine Gleissperre, welche in das Gleisbett eingebaut wurde. Diese besteht aus einem Betonfundament mit zwei Reihen von sieben Aussparungen, in welche I-Träger oder Eisenbahnschienen gesetzt wurden um diese dann zu verkeilen. In unmittelbarer Nähe befindet sich noch ein Ringstand der zum Schutz dieser Sperre errichtet wurde. Jetzt noch den Bahndamm überqueren und einige Meter in den Wald und man erreicht das Pz.W. 712.

Bei diesem Panzerwerk handelt es sich um eine zweistöckige Anlage, welche in den Jahren 1938/39 von der Baufirma Max Leibner aus Burschen (siehe auch G. Leibner "Die Festung Oder- Warthe- Bogen") errichtet wurde. Es hatte die Aufgabe die Eisenbahnstrecke Topper – Meseritz und die Straße Neuhöfchen – Starpel zu sperren, um so ein Durchstoßen des O.W.B. nördlich des Packlitz- See zu verhindern. Dieses Werk besitzt keinen Zugang zum Hohlgangsystem, obwohl ein Gang vom Pz.W. 713 in diese Richtung führt. Dieser sollte jedoch wahrscheinlich der Anschluss für ein geplantes A-Werk sein.

Das Pz.W. 712 verfügte über zwei Sechsschartentürme 20P7 mit jeweils 2 MG, einen Maschinengranatwerfer M19 in einen Panzerturm 34P8, einen Flammenwerfer unter Stahlring 420P9 und über einen Panzerturm zur Infanteriebeobachtung 438P1. Zum Schutz des Eingangsbereichs besaß das Werk eine flankierende Eingangsverteidigung mit einem MG hinter einer Stahlplatte 6P7. Leider sind alle genannten Panzerbauteile heute nicht mehr vorhanden. Jedoch sind im Innern noch zwei Gewehrschartenverschlüsse 48P8 und  57P8 erhalten geblieben. Der Zugang erfolgt über die flankierende Eingangsverteidigung. Durch diese gelangt man in einen Bereitschaftsraum und in einen Flur. Gleich gerade aus befand sich der Flammenwerfer mit dem darunter liegendem techn. Raum. Links geht es zur Wache (wie Pz.W. 703 mit Munitionsdurchreiche) mit dem Eingangsblock und zum vorderen Sechsschartenturm. Rechts hinter der Öffnung im Boden geht es in den hinteren Teil des Bunkers. Die Öffnung im Boden und der Haken an der Decke dienten der Beförderung von Lasten ins Untergeschoss. Der hintere Teil beinhaltete den Nachrichten- und den Führerraum, einen Bereitschaftsraum, den hinteren Sechsschartenturm, einen Ruheraum, sowie den Panzerturm zur Infanteriebeobachtung  mit anschließendem Planraum. Durch die Sprengungen nach dem Krieg ist es jetzt möglich, ins Maschinenhaus zu schauen, da es sich über beide Etagen erstreckte. In dem Raum, den man im Hintergrund erkennt, befand sich früher ein Wassertank. Die im Treppenhaus befindliche Tür führt zum Bereich des Maschinengranatwerfers M19. Dieser bestand nur aus einem Raum für Munition und die techn. Anlagen sowie aus dem Panzerturm 34P8. Die ins Untergeschoss führende Treppe ist aus Beton, jedoch ohne Geländer. Bei unserem Besuch stand das Untergeschoss teilweise leicht unter Wasser, was aber von der Jahreszeit abhängig ist. Hier unter befanden sich  die Ruheräume, die Küche, zwei Verbandsräume, ein Munitionsraum, die Sanitäreinrichtungen, ein Betriebsstoffraum und die Maschinenanlagen. Von dieser Ebene aus führten auch zwei Notausgänge ins Freie. Außerdem befand sich am Ende des langen Flures ein techn. Zugang. Erwähnenswert ist noch die zu den Sanitäranlagen gehörende Hölschanlage. Diese beförderte das Schmutzwasser in einen Hauptwasserkanal und befindet sich bis heute in einem sehr guten Zustand.   

 

Das Pz.W. 712 ist eines der wenigen Bauwerke welches im Winter 1945 verteidigt hat. Die Besatzung bestand damals aus Angehörigen der Wehrmacht, der Waffen-SS, jedoch hauptsächlich aus Volkssturmmännern. Kommandant war der Gutsbesitzer Friedrich Helmigk aus Pinnow, Kreis Weststernberg. Am Vormittag des 29.Januar 1945 kam es zu ersten Gefechten mit den Russen, die sich bis zum Nachmittag hinzogen. Den Verteidigern gelang es hierbei ihre Stellung zu halten, so dass sich der Feind trotz Panzerunterstützung zurückziehen musste. In den folgenden Wochen blieb es recht ruhig, da das russische Oberkommando zuerst die Oder erreichen und danach erst die einzelnen Widerstandsnester ausheben wollte. So wurde gelegentlich die Straße Neuhöfchen – Starpel  unter Feuer genommen, auf welcher ab und zu LKWs fuhren. Da man keine Verbindung zu anderen Einheiten hatte, wurde die Stellung weiter gehalten und man verpflegte sich aus denn Höfen der näheren Umgebung. Erst am 28.Februar 1945 bekam man die Nachricht, dass man kapitulieren sollte. Ein Teil der Besatzung ging daraufhin denn bitteren Weg in die Gefangenschaft. Andere versuchten sich durch die feindlichen Linien gen Westen zu schlagen. Heute kann man an den Einschlägen der Granaten im Bereich der flankierenden Eingangsverteidigung die Heftigkeit der Kämpfe ablesen. Die großen Löcher stammen allerdings von Beschussversuchen der Russen mit 152 mm- und 203 mm- Betongranaten.  

 

 

 

 

 

Außenansicht des Pz.W.712

 

 

 

... noch einmal

 

 

 

Spuren russischer Beschussversuche nach Kriegsende

 

 

  Eingangsbereich mit flankierender Eingangsverteidigung
 

 

  Nahaufnahme des Eingangsbereichs, die Panzerbauteile wurden nach Kriegsende entfernt

 

 

Nahkampfscharte im linken Eingang

 

Entfernte Stahlplatte 6P7 der flankierenden Eingangsverteidigung

   

 

Munitionsdurchreiche in der Wache

   

 

linke Fallgrube im Eingangsblock

   

 

Nahkampfscharte in der Hauptgasschleuse

   

 

 

 

 

 
   

Nahkampfscharte 57P8

 
 

 

 

 

 
 

 
   

Reste eines Sechsschartenturms

 
   

 

 

 
 

 
   

Haken zum hinab lassen von Lasten ins Untergeschoss

 
   

 

 

 
 

 
   

Öffnung zum Untergeschoss unter dem Haken

 
   

 

 

 
 

 
   

Abstieg in den techn. Raum unter dem Flammenwerfer

 

 

 

  Unterseite des Stahlrings 420P9 (Flammenwerfer)
 

 

  gesprengte Wand zum Maschinenhaus
 

 

  Treppe ins Untergeschoss
 

 

  überfluteter Raum im Untergeschoss
 

 

  Pissoirs im Sanitärtrakt

 

 

  Reste der sehr gut erhaltenen Waschgelegenheiten
 

 

  ... noch einmal
 

 

  Hinweis auf die Kläranlage, die sich ebenfalls noch in einem sehr guten Zustand befindet
 

 

  Überreste von Absperrarmaturen des Rohrleitungssystems

 

 

Übersicht aller Bauwerke

 

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