Der Festungsflammenwerfer – FN-Gerät

  

Aufgrund fehlerhafter Beschreibungen des Festungsflammenwerfers in einigen Büchern (auch in jenem der selbsternannten Ostwallexpertin Christel F. aus B.) nehmen wir das zum Anlass, Aufbau und Wirkungsweise hier etwas ausführlicher zu beschreiben. Den nachfolgenden Text haben wir mit freundlicher Genehmigung des DWJ-Verlags teilweise aus der Waffen-Revue 98 entnommen.

  

„Der Festungsflammenwerfer wurde im Zweiten Weltkrieg zwischen Schartentürme in die Befestigungsanlagen (Westwall, Atlantikwall) eingebaut. Er hatte die Aufgabe, wenn es Fußtruppen, wie Infanterie, Pioniere, Fallschirmjäger usw., gelingen sollte, bis zu den Schartentürmen vorzudrängen, diese zu vertreiben oder zu vernichten. Er konnte aber nur wirksam werden, wenn er, bevor er in Aktion trat, von den Gegnern nicht als solcher erkannt wurde. Deshalb war das obere Ende der Flammenwerferanlage nur mit einer kleinen und flachen Kuppel verschlossen und entsprechend getarnt. Erst wenn das Herannahen des Gegners gemeldet wurde, fuhr man das Strahlrohr unter Druck heraus, die Kuppel öffnete sich , wenn das Strahlrohr die richtige Lage eingenommen hat, wird im Bedienraum automatisch ein Zeichen ausgelöst, worauf der Werfer betätigt wird. Das Strahlrohr ist S.m.K.-sicher und hat einen Durchmesser von 25 bis 30 cm.

 

Die Flammenwerferanlage besteht aus dem: 

1.       hydraulischen Teil,

2.       maschinellen Teil

3.       elektrischen Teil.

 

 

Das Flammenwerfergerät besteht aus einem Vorratsbehälter mit ca. 2400 Liter Flammöl, einer Flasche mit 400 Liter Stickstoff, einer handbetriebenen Pumpe, mit der Flammöl aus dem Vorratsbehälter in den Druckbehälter hinüber gepumpt wird, an den ebenfalls eine Stickstoffflasche angeschlossen ist, dem elektrisch auszufahrenden Strahlrohr mit einer weiteren Stickstoffflasche für die Zündung. Die Stickstoffflasche muss ständig an dem Druckbehälter angeschlossen bleiben, damit sie einen Druckabfall vermeidet.

Die Wurfdauer beträgt 420 Sekunden= 7 Minuten.

Die Füllung je Wurf beträgt 3 Minuten.

Die Kampfdauer beträgt insgesamt 64 Minuten.

Mit einer Normalfüllung von 80 Litern wird ein Druck von 18 Atm. erzeugt, mit 120 Liter wird ein Druck von 25 Atm. erzeugt.

Der Werfer erreicht eine Wurfweite von 40 bis 50 m, die Höchstwurfweite beträgt ca. 65 bis 70 m.

 

Aus dem Druckbehälter mit 200 Liter Inhalt können ca. 120 Liter Flammöl in ca. 21 Sekunden geschleudert, womit 3 Kreise von je 7 Sekunden bestrichen werden können. Da das Strahlrohr 360° seitlich geschwenkt werden kann, kann das Gelände rundum bestrichen werden, es können aber auch Feuerstöße in einer Richtung abgegeben werden.

Der Druckbehälter kann in 2,5 Minuten wieder gefüllt werden, und die Anlage ist somit nach ca. 3 Minuten wieder wurfbereit.

Zum Zünden des Flammöls genügt eine Zündflamme von 20 bis 30 cm, die über Zündkerzen bei Gleichstrom 24 Volt erzeugt wird.

Die elektrische Anlage ist für 220 Volt Wechselstrom und 24 Volt Gleichstrom eingerichtet. Es sind fünf Lampen rechts und links angebracht. Die Signale bedeuten:

-          rote Lampe = nicht wurfbereit

-          weiße Lampe = Druckbehälter gefüllt

-          grüne Lampe = Strahlrohr ausgefahren, Gerät wurfbereit.

Bei Stromausfall wird der Strom aus Batterien entnommen.

Ferner ist ein Gleichrichter zum Zünden und Betriebssetzung von Gleichstrom und Notbatterie vorhanden. …“

 

Soweit der Text aus der Waffen-Revue.

 

 

Insgesamt wurde der Festungsflammenwerfer 26 Mal im O.W.B. eingebaut, davon 24 Mal im Mittelabschnitt. Geschützt wurde der Flammenwerfer durch einen Stahlring 420P9, der im Prinzip ein starkes Stahlrohr mit einem Verschlusspfropfen am oberen Ende war. Der Stahlring wurde beim Einbau mit der Unterkonstruktion der Decke verschraubt und anschließend einbetoniert. Diese Panzerbauteile sind zum größten Teil, trotz Sprengung und Metallentnahme, erhalten geblieben ( Pz.W. 864?).

Anhand des gut erhaltenen Flammenwerfers im Pz.W. 720 erklären wir den grundsätzlichen Einbau in einem Bunker. Aufgestellt wurde der Flammenwerfer in zwei übereinander liegenden, gleich großen Räumen. Diese sind durch eine rechteckige Öffnung im Boden des oberen Raumes miteinander verbunden. Ein Zugang erfolgt nur über den oberen Raum, der als Bedienraum fungierte. Eine nach innen öffnende, zweiteilige Panzertür, sowie eine Gasschutztür zum Flur trennten diesen Bereich vom übrigen Bunker ab. Betritt man den Bedienraum, fällt einem gleich das Strahlrohr ins Auge. Es befindet sich auf der linken Wandseite, teilweise in der Öffnung zum unteren Raum als auch in der Decke im Stahlring 420P9. Zwei an der Unterseite des Stahlrings befestigte Stäbe dienten als Führung beim Ausfahren des Strahlrohrs und reichen bis zu einer Wandkonsole im unteren Raum. Ausgefahren wurde das Strahlrohr mittels eines Elektromotors (Kraftübertragung über Kette)  oder per Hand. An der Wand gegenüber dem Eingang sind zudem die Halterung der Stickstoffflaschen sowie Reste der alten Druckleitung vorhanden. Über in die Wand eingelassene Steigeisen gelangt man in den unteren Raum, der aus Sicherheitsgründen keinen ebenerdigen Zugang besaß. Hier befinden sich der Vorratsbehälter für das Flammöl und der Druckbehälter. Außerdem sind auch hier Teile der Druckleitung erhalten geblieben.

 















 





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