Pz.W.598

 

Details und Bildmaterial zu den einzelnen Bauwerken finden Sie im Anschluss an diese Ausführungen

Begriff Werk/Panzerwerk:

Der Begriff Werk wurde ab dem 16. Jahrhundert im Festungsbau als Überbegriff für eine einzelne isolierte Befestigungsanlage, errichtet zur Verteidigung von strategisch wichtigen Punkten wie z.B. Pässen, Hafeneinfahrten und Eisenbahnlinien oder als Bestandteil einer Festung, verwendet. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wird der Begriff noch immer für Verschanzungen und kleine Forts verwendet, insbesondere für Systeme die sich aus den Forts entwickelten und, je nach Staat, in verschiedenartigen Ausführungen errichtet wurden. Um den strategischen Wert der Werke zu erhöhen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts in neugebaute Werke Panzerbauteile wie Panzerkuppeln oder Panzerplatten eingebaut. Im Zuge des Ausbaus der deutschen Landesbefestigungen in den 1930er Jahren kamen neue Konzepte im Festungsbau zum Tragen und so wird ab 1937 ein Werk als selbstständig zu verteidigende Festungsanlage mit maschinellen Einrichtungen zur Luft- und Energieversorgung definiert.

Werke bestehen aus mehreren Kampfständen mit verschiedenartigen Waffen (z.B. MG und Artilleriegeschütze), die einer einheitlichen Befehlsführung unterstehen. Man unterscheidet geschlossene Werke, hier sind alle Waffen in einem Block vereinigt, und aufgelöste Werke, hier sind die Kampfstände in einiger Distanz zum Hauptobjekt angeordnet und über Hohlgänge mit diesem verbunden. Die Umschließung mit einem Rundumhindernis (z.B. Wall, Graben oder Drahthindernis) sowie die Verteidigungsmöglichkeit nach allen Seiten (Rundumverteidigung) muss gegeben sein. Werke sind mit technischen Einrichtungen für Wasserver- und Entsorgung, Lüftung und Beleuchtung ausgestattet.

Die Bezeichnung Panzerwerk geht auf einen Befehl aus dem Jahr 1939 zurück und sollte die Stärke der deutschen Befestigungsanlagen besonders betonen. Demnach waren alle Werke, Kleinstwerke und Stände, die mit Panzertürmen ausgestattet waren und eine Wandstärke von mindestens 1,0 m aufwiesen als Panzerwerke zu bezeichnen. Eine Ausnahme bildeten die Bauwerke der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen, hier wurden alle Bauwerke, auch solche ohne Panzertürme und mit Wandstärken von weniger als 1,0 m als Panzerwerke bezeichnet.

Begriff Werkgruppe:

Werkgruppe beschreibt einen Begriff aus dem deutschen Festungsbau nach Ende des Ersten Weltkrieges, der vor allem während der 1930er Jahre, als im Zuge des Ausbaus der Landesbefestigungen neue Konzepte und Systeme definiert und entwickelt wurden, zum Tragen kam. Werkgruppen setzen sich aus mehreren Werken zusammen, die im Verbund und unter einheitlicher Führung Verteidigungsaufgaben in einem Abschnitt eines Verteidigungssystems wahrnehmen. Die Hauptbefehlsstelle einer Werkgruppe enthielt Räume für den Kommandanten, Fernsprechverkehr, Telegrafen, Befehlsempfänger und Melder.
Laut Heeresdienstvorschrift HDV g4 aus dem Jahre 1940 müssen Werke, die in einer Werkgruppe zusammengefasst sind durch Hohlgänge miteinander verbunden sein, jedoch wurde diese Forderung nicht bei allen Verteidigungsanlagen umgesetzt. So wurden an der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen einige Werke in Werkgruppen zusammengefasst, die diese Forderung nicht erfüllen, wie zum Beispiel die Werkgruppen Körner und Litzmann.


Die Festungsfront Oder-Warthe-Bogen (FFOWB.) umfasste im Jahr 1939, 83 Panzerwerke und 14 Sperrstände  ("Hindenburg-Stände"), des weiteren entstanden 1944 über 300 Ringstände („Tobrukstände“) welche die Hauptkampflinie verstärkten. Eine Panzerbatterie in A (3,50 m Wandstärke / 600 mm Panzerstärke), sowie ein Panzerwerk in A waren in Bau, wurden jedoch nicht fertig gestellt. Von den projektierten A1- Werken (2,50 m Wandstärke / 350 mm Panzerstärke) wurde keines gebaut oder auch nur begonnen. 

Der gesamte Bereich des OWB. unterteilte sich dabei in drei Abschnitte. Im Abschnitt „ Nord “ von Kurzig (Kursko ) bis Schwerin a.d. Warthe (Skwierzyna) mit 27 Anlagen auf 27 km Frontbreite, der sich auf Seen und den Fluss Obra stützt, wurden 3 Werkgruppen gebaut. Im Abschnitt „Hochwalde“ , im Bereich Burschen (Boryszyn ) – Kalau (Kalawa ) – Kainscht (Keszyca ) – Kurzig (Kursko ), mit 43 Anlagen auf 16 km Frontbreite, wurden 9 Werkgruppen gebaut, von denen 7 durch Hohlgänge verbunden sind. Von den geplanten Hohlgängen wurden mind. 35 km realisiert (angeblich wurden von der polnischen Armee Anfang der 50er Jahre ca.50 km Hohlgänge katalogisiert). Im Abschnitt „Süd“ mit 27 Anlagen auf 34 km Frontbreite von Liebenau (Lubrza ) bis zur Oder im Süden wurde nur eine Werkgruppe fertig. Die Verteidigung dieses Abschnittes stützte sich auf ein lückenloses Wasserhindernis mit 14 Stauanlagen.

Die Bunker des OWB. wurden zum Teil in offener Bauweise errichtet, dass heißt, es mussten erst Baugruben ausgehoben werden, oder das Gelände wurde aufgeschüttet . Die Gänge des Hohlgangsystems wurden allerdings  unterirdisch Vorgetrieben. Ab März 1935 waren auf  einer Länge von 5,5 km unterirdischen Hohlgangskilometern, 7000-10000 Arbeitskräfte im Handvortrieb eingesetzt. Dieser Bereich umfasste die Panzerbatterie 5 bis zum unterirdischen Bahnhof "Konrad" und die angeschlossenen Werken 715 und 713. Ab dem 1.April 1936 wurde der Handvortrieb durch zwei Teilautomatisierte Vortriebsmaschinen abgelöst, die durchschnittlich 65 m pro Tag in sechs verschiedenen Gangprofilen anlegen konnten. Um die Bombensicherheit der Anlagen zu gewährleisten, wurden die Hohlgänge in einer Tiefe von 4 m (unter gewachsenem Fels) bis in eine Tiefe von 35 m und tiefer (z.B. bei Sandboden) angelegt, abhängig von den jeweiligen Geländegegebenheiten.

 Teilweise wurden die Untergeschosse der Bauwerke in Klinkermauerwerk ausgeführt bzw..  Klinkermauern als äußere Verschalung und als Schutz vor dem hohen Grundwasserstand gemauert.

Die Panzerwerke der Festungsfront unterschieden sich in Größe und Bewaffnung von einander.

 

Kampfanlagen Waffen Besatzung
D- Stände 1 MG 14 Mann
D- Stände 1 Pak 14 Mann
C- Stände 2 MG 14 Mann
C- Stände 1 Pak 14 Mann
B 1- Stände 3 MG 25 Mann
B- Kleinstwerke 3 MG 10 Mann
B- Werke

 

5 MG                                          1  Maschinengranatwerfer M19      1 Flammenwerfer mindestens 50 Mann
A- Werke

5 MG                                           1 Maschinengranatwerfer M19       1 Flammenwerfer mindestens 50 Mann

 

Des weiteren unterteilte man in verschiedene Ausbaustufen, in denen die Stärke der Wände und Panzerungen definiert wurde.

 

Ausbaustufe

Betonsicherheit

Panzerstärke

Sicherheit gegen

A

3,50 m

60 cm

Massentreffer 52 cm, Deckentreffer 1800 kg Bombe, Wandtreffer 500 kg Bombe

A1

2,50 m

35 cm

B neu

2,00 m

?

Massentreffer 22 cm, Einzeltreffer 28 cm Deckentreffer 500 kg Bombe, Wandtreffer 50 kg Bombe

B alt

1,50 m

25 cm ?

Massentreffer 15 cm, Einzeltreffer 21 cm

B1

1,00 m

12 cm

Massentreffer 10,5 cm

C

0,60 m

6 cm

MG-Punktfeuer, Fliegerbordwaffen

D

0,30 m

2 cm

MG-Streufeuer, Granatsplitter, Gewehrfeuer

 

Die Bauwerke im Detail